Laut dem Competition Appeal Tribunal in London wurde die Sammelklage von über 14 Mio. Spielern zugelassen.
Offizielle Verfahrensunterlagen zur Valve-Klage
https://www.catribunal.org.uk/cases/16407724-vicki-shotbolt-class-representative
Hintergrund des Verfahrens Shotbold vs Valve
Vicki Shotbold ist der Meinung:
- Steam würde Entwickler dazu zwingen überall die gleichen Preise anzubieten, aber zeitgleich 30% des Verkaufspreises einbehalten.
- Zudem glaubt sie Steam würde die Kunden von ihrer Plattform abhängig machen, da sie denkt wenn ein Spiel über Steam gekauft wurde, sei man gezwungen auch die DLCs über Steam zu kaufen.
- Noch dazu kritisiert sie, dass Spieleentwickler microtransactions über den Steameigenen Zahlungsabwicklungsdienst ausführen müssten.
Das interessante dabei ist das sie mit dieser Klage 14 Millionen Briten vertritt. Jetzt fragt man sich vielleicht wie sie diese 14 Millionen Sammelklagen zusammen bekommen hat ohne das bis zur Einreichung der Klage zur Freigabe der Klage (2 Jahre später) niemand was davon mitbekommen hat?
Pfiffiger Trick: die Mechanik der Opt-Out-Kollektivklage:
Vicki Shotbolt vertritt bis zu 14 Millionen britische Steam-Nutzer im Rahmen einer Opt-Out-Kollektivklage vor dem britischen Wettbewerbsgericht (Competition Appeal Tribunal).
Das bedeutet, dass alle in Großbritannien ansässigen Personen, die seit Juni 2018 Spiele oder Zusatzinhalte über Steam oder andere Plattformen gekauft haben, automatisch Teil der Klage sind – es sei denn, sie melden sich aktiv ab. (Quelle: UK Tribunal Guidelines).
Nicht gerade fair für Kunden die Steam gerne nutzen, allerdings dafür um so besser geeignet um gleich zu Beginn aufsehenerregende „Opferzahlen“ und Schadensersatzansprüche vorweisen zu können.
Was ist dran? Vorwürfe gegen Steam im Überblick:
Steam schreibt keine Preise für den Direktvertrieb vor. Die pricy parity policy von Steam besagt STEAM KEYS dürfen über Third Parties vertrieben werden, wobei der Preis dort nicht den Steam Preis unterbieten darf. Tut er es doch, soll zeitnah auch auf Steam ein gleiches Angebot angeboten werden. Sprich Du darfst die Kombination aus Deinem Spiel und der Infrastruktur von Steam nur eingeschränkt günstiger verkaufen als auf Steam.
Außerdem hält sich Steam das Recht vor dass wenn Du Dein Spiel unabhängig von Steam bei Steams Konkurrenten (z.B. Epic Store) günstiger vertreibst als auf Steam, dass Steam dann gewisse Extraservices die Spieleanbietern auf Steam zur Verfügung stehen evtl. einschränkt. Diese da bestehen aus grob gesagt Gratis Werbung und besondere Hervorhebungen in ihrem Shop. Reklamationsabwicklung und Zahlungsservices bleiben davon unberührt.
Theorie vs. Praxis: die Umsetzung der Steam-Regeln
Dazu ist Vickis Vorwurf weniger dass sie dieses Policy’s haben, sondern dass Steam diese Regeln streng durchsetzen würde. Aus unterschiedlichen Quellen heißt es immer dass diese Regeln nur sehr lasch umgesetzt werden – eher wie ein Richtwert. Es kommt sporadisch zu der Aufforderung zu Preisangleichungen, in der Regel aber nicht.
Dann der Punkt mit dem Kaufzwang auf Steam: das stimmt so einfach nicht. Du kannst jedes X Beliebige Spiel oder DLC überall da kaufen wo Du möchtest und kannst dann den Lizenzkey bei Steam hinterlegen. Der Nutzer genießt dann ohne Aufpreis alle Vorzüge die Steam bietet (Hosting der Installationsdateien, automatische Speicherung der Spielstände etc).
Technische Grenzen als Vorwurf: wie Steam betroffen ist
Was stimmt ist, dass Du grundsätzlich keine Steam-Keys extrahieren kannst. Lediglich bei Spielen mit einem externen DRM ist dies möglich – womit Steam ein Unikum unter den DRMs ist/ war (die haben halt jetzt ja den Deal mit PlayStation und XBox gemacht und somit dafür gesorgt dass sie nicht mehr die einzigen sind die das machen).
Allerdings muss man mMn auch sagen es ist absurd von Stream zu verlangen die Keys frei zu geben.
Sie sind nicht der Publisher, Steam gehören die Spiele nicht. Stream hat Verträge mit den Anbietern der Spiele, diese in ihrer Datenbank aufzunehmen und somit mit ihren Services zu verschmelzen und dieses Gesamtpaket zu vertreiben. Einen Lizenzschlüssel für eine Steamkopie der Software bringt einem ohne Steam nichts, weil der eben nur für die Steam Kopie ist und nicht für das Original. Einige Publisher und Entwickler bieten die Option an sich über den Kundenservice bei ihnen zu melden und den steam Account anzugeben und sich darüber eine Lizenz für die Originalversion geben zu lassen, aber das ist etwas was Steam nicht beeinflussen kann.
Ferner wird kritisiert dass Spieleentwickler keine direkten Zahlungswege in ihren Spielen einbauen dürfen, sondern an den Steam Zahlungsservice gebunden seien. Auch das zeigt meiner Meinung nach nur das halbe Bild: Spiele die man auf Steam kauft sind fest mit den Steam Services verknüpft. Sowohl für Spieler als auch für Anbieter. Bei Problemen mit der Software wendet man sich als Kunde an Steam. Einerseits wäre es dreist einen gratis Kundenservice von Steam für Käufe zu verlangen, mit denen Steam nichts zu tun hat. Niemand reklamiert sein Reserverad vom Schrotti beim Autohändler. Steam kann auch schlichtweg keinen Kundenservice für Käufe bieten, die nichts mit ihnen zu tun haben.
Mögliche Auswirkungen auf den Verbraucherschutz
Dazu kommt: Für den Kunden muss immer ersichtlich sein bei wem er gerade was kauft. Steam ist mehr oder weniger für alles was in ihrer dargebotenen Software angeboten wird verantwortlich. Wenn nun willkürlich die direkt eingebundenen Zahlungsanbieter wechseln, dann ist es nicht nur intransparent, sondern man erreicht auch schnell die Grenze zur Irreführung. Man ist nicht gezwungen den Steam-Zahlungsdienst zu nutzen. Es gilt lediglich die Regel, dass Käufe die über einem anderen Abwicklungsdienst laufen außerhalb des Spiels abgewickelt werden müssen.
Disclaimer:
BKA – dies ist alles nur meine persönliche Meinung und Einschätzung. Für juristische Fragen oder Rechtsberatung suchen sie bitte eine juristische Beratungsstelle auf.
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