Ich sehe es so, dass die Debatte darum etwas fehlgeleitet ist. Diese Fehlleitung kommt meiner Meinung allerdings durch die Begründung des Vorschlages.
Es wurde nicht argumentiert wie schwer es doch sei für Unternehmen Fachkräfte zu finden, die die offen gewordenen Stunden decken. Das es zu viel Aufwand oder Kosten verursachen würde, oder was für Probleme dadurch entstehen mögen.
Die Debatte um die Abschaffung/ Einschränkung des Rechts auf Teilzeit erfolgt nicht aufgrund von Sachzwängen, sondern über Moral. Gäbe es gute Gründe und würden diese auch hervorgebracht, wäre die Diskussion eine ganz andere. Der Konflikt entsteht durch das Framing (und der absolut weltfremden Auflistung der Ausnahmen, welche z.B. Krankheit vollkommen außen vor lässt, welche allerdings eh nur dann als Begründung genutzt werden kann wenn man den Anspruch aufgibt dass der AG kein Recht darauf hat darüber informiert zu werden).
Hier wird Teilzeit als was minderwertiges dargestellt. Die Argumentation ist gänzlich von der Grundannahme geprägt, der Sozialstaat hätte einen Anspruch auf die Arbeitskraft ihrer Bürger. Es wird angedeutet man müsste das Solidarprinzip erst verdienen.
Und was mich persönlich besonders wütend macht dabei ist von wem diese Aussagen stammen. Gitta Connemann zum Beispiel ist selbst ist ein Paradebeispiel für Lifestyle-Teilzeit. Anders als bei den meisten, wo andere Dinge im Fokus stehen als die Teilzeit, machen Sie und viele andere Politiker es tatsächlich zu einem Lifestyle möglichst viele wichtige Jobs und Posten nur nebenbei zu bekleiden.
Die Zeit die Politiker in ihrem Leben Vollzeit sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben, geht mich ja eigentlich nichts an, aber wird halt bitter wenn man derlei Forderungen dann hört. Dank ihrer Posten bekommen sie auch so Summen vom Staat von denen jeder normalsterbliche nur träumen kann, ganz ohne dass sie nennenswert einzahlen müssen. Was auch grundsätzlich ja richtig und wichtig ist! (Ich kritisiere ihre Ansichten, nicht ihre Leben!). Nur wenn es doch unfair sein soll, dass Teilzeitbeschäftigte die gleichen Ansprüche und Rechte in einem Sozialstaat haben weil sie ja weniger Sozialabgaben beitragen, warum fängt diese „Logik“ dann nicht da an wo die Diskrepanz am höchsten ist? 11.833,47 Euro brutto pro Monat Abgeordnetenebtschädigung + steuerfreie Aufwandsentschädigung von 5.349,58 Euro monatlich – alles ohne Sozialabgaben (was ich wie gesagt ja auch richtig finde!), aber nicht einen Cent Sozialabgaben – und trotzdem noch die gleichen Rechte und Ansprüche wie jeder andere auch. Wer das kassiert dem geht es nicht darum wie unfair das doch sei.
Es wird schnell klar, dass es hier eben nicht darum geht dass nur Eltern ein Recht auf Teilzeit haben sollten. Man hat hier ein Problem damit, wenn Menschen freiwillig auf Wohlstand verzichten. Man sieht es als unmoralisch an nicht sein Leben auf Mein Auto, Mein Haus, Mein Boot auszurichten und Freizeit/ Lebensqualität über Geld zu stellen. Und dabei begrenzt sich die Kritik ja nicht mal „nur“ auf Sozialleistungs-Beziehende – Frei nach dem Motto jeder muss seinen Lebensunterhalt bestreiten können bevor er grundlos weniger arbeitet. Man argumentiert über Rechte in einem Sozialstaat, das geht weit über Sozialhilfe und ist unabhängig davon ob es überhaupt in Anspruch genommen wird.
Hier wird indirekt die Frage gestellt ob in einem Sozialstaat alle die gleichen Rechte haben sollten oder ob man sich diese erst erkaufen sollte. Es ist eine Debatte über Arbeitszwang in disguise.
Das man dem angeblichen Fachkräftemangel nicht dadurch behebt, dass Fachkräfte dann halt kündigen müssen wenn sie keinen akzeptierten Grund für Teilzeit haben, ist da dann nur noch das I-Tüpfelchen. Rein bezogen auf den Fachkräftemangel unterstützt dieser Vorschlag nur Unternehmen die ihren Angestellten nicht wohl gesonnen und zudem schlecht aufgestellt sind. A ka Unternehmen die eigentlich eh reformiert werden müssen oder getrost unter gehen können. Denn verantwortungsbewusste Unternehmen haben ein Eigeninteresse daran die Motivation und Leistungsfähigkeit ihrer Angestellten zu erhalten und würden einem solchen Antrag dann auch zustimmen (des Recht auf Teilzeit gibt es ja eh nur in Unternehmen die groß genug sind um das bieten zu können und auch nur dann wenn keine unternehmerischen Gründe dagegen sprechen). Es würde sich also nur in Unternehmen etwas ändern, die, obwohl sie können, lieber eine Kündigung riskieren, als dem Arbeitnehmer entgegen zu kommen. Dabei wird ein Arbeitnehmer ja nicht grundlos in Teilzeit gehen. Das tut er weil er einen Nachteil in der Vollzeit sieht, den er nicht bereit ist zu tragen – da ist egal ob er Kinder hat oder nicht, es ist auch egal ob es nun aus Stress, sonstigen Verpflichtungen oder allein aufgrund dessen das er sich sagt für das Geld tue ich mir den Stress nicht mehr als nötig an. Das sind alles valide Gründe und die verschwinden auch nicht nur weil man Arbeitgebern die Option gibt nein zu sagen ohne dass der AG valide Gründe hat die dagegen sprechen.
Denn das ist die Debatte ganz ohne Metaebene und Philosophie: wer kann besser über Leben und Alltag von Menschen entscheiden – der Mensch selbst, oder unternehmerische Willkür. Es ist die Frage wessen „keinen plausiblen Grund haben“ wiegt schwerer.
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